Kulturcafé 2023
Wer einmal Friedrich Cerhas „Spiegel“ hören durfte, hat eine sanfte Ahnung, was in diesem Kopf, einem kleinen Kopf eines großen Komponisten und Menschen, Platz haben konnte, daraus emporstieg, sich Raum schaffte und unsere Köpfe, der Hörer*innen, Musiker*innen, zu neuen Sphären wachsen und gerade einmal erahnen ließ, was hier eigentlich dahinterstecken musste.
Doch Friedrich Cerha war ein ganz bescheidener Mensch mit Humor und zugleich scharfer Gesellschaftskritik, auch einer sehr wachen Aufmerksamkeit, die sich sowohl in seiner Musik (z.B. in „Eine Art Chansons“) als auch in persönlichen Begegnungen zeigte.
Herr Cerha war Schüler unserer Schule.
Und so durften wir Herrn Cerha zur Gedenkfeier zum Ausschluss unserer jüdischen Mitschüler und Lehrer* 2016 als Redner begrüßen und erfuhren sowohl von einem damals ungefähr im heutig gelegenen Festsaal gelegenen Schwimmbad, von seinen verbannten Mitschülern als auch seiner Ablehnung gegenüber Gleichschritt, Gleichgesinnung und Gleichschaltung. Cerha desertierte noch während des II. Weltkrieges zweimal, flüchtete auf eine Almhütte und haderte lange mit dieser humanen Katastrophe.
Seine Neugier trieb ihn jedoch zurück unter Menschen, die junge Avantgarde war zu spannend und er wurde Vertreter selbiger. Er studierte Violine, Komposition, Musikerziehung an der Musikademie und Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Universität Wien.
Die von Alban Berg fragmentarisch hinterlassene Oper „Lulu“ vollendete er 1975 und sicherte sich allein hiermit Weltruhm (UA 1979).
Doch Friedrich Cerha war bis zuletzt produktiv, interessiert und ein spannender Vertreter der österreichischen zeitgenössischen Musik.
1986 wurde ihm der Große Österreichische Staatspreis verliehen, 2011, zu seinem 85.Geburtstag, widmete ihm Wien Modern einen ganzen Schwerpunkt – mit einer fulminanten Aufführung anfangs zitierten Spiegel I-VII, 2021 ebda. die erst 7. Aufführung des Gesamtzyklus‘.
Einige Schüler*innen hatten 2014 mit mir die Gelegenheit, an einen Workshop zu „Eine Art Chansons“ im Rahmen von Wien Modern teilzunehmen. Hautnah konnten wir Herrn Cerha hier kennenlernen und zu seiner Komposition befragen. Seine Frau, Frau Gertraud Cerha, war sowohl hier vermittelnd als auch in Konzerten immer an seiner Seite.
Wir trauern mit der Familie und danken dem offenen Geist Friedrich Cerhas für seine Inspiration und Musik.
Reni Weichselbaum
*Das Hernalser Gymnasium war zu dieser Zeit ein Bubengymnasium, an dem auch nur Männer unterrichteten.
Von links nach rechts: Reni Weichselbaum, Eva Mersits (Direktorin i.R.) und Friedrich Cerha (2016, Quelle: Archiv GRG17)
Quellenangabe Titel Bild
Archiv der Zeitgenossen
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ECO NOT EGO – Für eine bessere Welt
Drei Tage und ein Ziel
Die Projektklasse 2d, welche im Schuljahr 2022/23 einen Umweltschutz und Klimaschwerpunkt hat, hatte Ende November/Anfang Dezember ein besonders spannendes Projekt: 22 Schüler:innen erhielten drei Tage Zeit, um ein zu ihrem Schwerpunkt ein theatrales Projekt auf die Beine zu stellen.
Angeleitet von Frau Prof. Bettina Stokhammer und Frau Prof. Katrin Hörbinger sammelte die Klasse ihre Gedanken und Ideen rund um Erde, Klima und Zukunft, erarbeitete Sketches und fügte alles zu einem großen Stück zusammen – ihrem Theaterstück mit dem Titel „Eco not Ego – Für eine bessere Welt“. Am Nikolaustag war es dann soweit: Da stritt sich die FaMÜLLie MÜLL-er wegen Klimafragen am Frühstückstisch, der Weltklimagipfel 2032 fand statt, u.a. waren als Ehrengäste Angela Ferkel und Sebastian Lang anwesend, Mülltonnen begannen zu sprechen, und der Konsumrausch in Form eines Liedes unter der Leitung und Begleitung von Prof. Elisabeth Kallinger thematisiert. Schließlich stellten die Schüler:innen die Frage: Ist weniger vielleicht mehr? Unterm Weihnachtsbaum erkannte FaMÜLLie MÜLL-er nämlich, dass Geschenke nicht brandneu sein müssen, Verpackungsmaterial Jahrzehnte überdauern kann und eine spannende Geschichte manchmal besser ist als jedes Videospiel.
Weniger ist mehr! Darauf hatte man sich gegen Ende des Theaterstücks geeinigt und diese Botschaft wurde auch an die zahlreichen Besucher:innen weitergegeben, die mit einem lang anhaltenden Applaus würdigten, was die Schüler:innen der 2d in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hatten, nämlich ein fantastisches, abwechslungsreiches Stück mit einer bewegenden Botschaft.
Die 1A des Jahrgangs 21/22 hat sich kreative Möglichkeiten erdacht unsere Schule neu zu denken und ihre Ideen mittels StopMotion Film visualisert.
Einige theaterbegeisterte Schülerinnen der 1c und 2c besuchten in diesem Schuljahr den Freizeitkurs „Theater“ und widmen uns zum Abschluss einen Film frei nach einem Sketch der berühmten Komikertruppe Monty Python. Wer sich immer schon einmal gefragt haben sollte, wie man mit einer desinteressierten Katze umgeht, wird hier keine Antwort finden – oder vielleicht doch?
Auf jeden Fall wünschen wir unserem Publikum mit diesem Beitrag einen wunderschönen, heiteren Sommer und machen jetzt schon Gusto auf den Film, der zum Schulauftakt erscheinen wird:
„Die Gelsenjäger“!
Unsere Graffiti- und Malwand nimmt Gestalt an. Wir freuen uns schon auf einen milden Herbst 2022 um weiter zu gestalten.